Von Horst Thiel

Wir befinden uns in einer Zeit, in der persönliche Interessen im Vordergrund stehen und nicht Staats-Politik.

In der mit Begrifflichkeiten nur so um sich geworfen wird, ohne etwas zu definieren.

Gerade das Verhalten der Regierungen von Deutschland, Frankreich und England in Sachen Lybien lässt mich wieder einmal mehr aufhorchen: Was geht da ab?!

In dem Zusammenhang fällt mir ein Artikel von mir ein, mit dem Thema Kolonialmächte.

Neueste Meldung von heute (10.3.2011)
Da die Nato derzeit keine Möglichkeit einer Flugverbotszone über Lybien sieht, preschen Frankreich und England vor: Sie wollen Luftangriffe gegen die noch Regierung von Gaddafi fliegen.

Also Krieg gegen Lybien, mal eben so, oder wie? Das scheint ja wohl eine „schlechte Angewohnheit“ aus der Kolonialzeit zu sein.

Frankreich hat es geschafft: Lybien wird bombadiert.

Kolonialreiche

Portugal

Die Avis-Könige führten Portugal zur führenden Handels- und Seemacht, es hatte Kolonien in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China.
Portugal war Weltmacht (bis 1580) und reichste Nation Europas.

1444 – die erste Sklavenjagd an der Senegalmündung bei Dakar.

Selbst in den 1970er Jahren konnte man noch solche Nachrichten über Portugal lesen:
Portugiesische Kolonialtruppen hätten am 16. Dezember 1972 in dem Dorf Wiriyamu 400 Zivilisten bestialisch umgebracht, berichteten spanische Missionare. Die portugiesische Regierung konnte die Vorwürfe nicht ausräumen.
(Mehr Infos Spiegel 1972)

1973 veröffentlichte die Menschenrechtskommission der UNO eine Dokumentation über Vergeltungsaktionen portugiesischer Soldaten in Angola und Moçambique.

England

Das Vereinigte Königreich war die größte Kolonialmacht der Geschichte mit Kolonien und Protektoraten auf jedem der bewohnten Kontinente.
Britische Kolonien und Protektorate bedeckten im ausgehenden 19. Jahrhundert fast ein Viertel der Landfläche der Erde.

1563 – 1570
Der reichste Mann seiner Zeit ist John Hawkins durch Sklavenhandel. Als Dank der Krone wird er Schatzmeister der Flotte.

Die Engländer perfektionierten den Bau von Sklavenschiffen ab ca. 1563, damit aus wirtschaftlichen Gründen möglichst viele lebend Amerika erreichen.

„Handelspartner“ der Engländer waren Araber, diese überfielen bis tief in´s Landesinnere Negerdörfer und brachten hauptsächlich Männer zum Verkauf in die Hafenstädte.

Die Engländer zerstörten das alte indische Wirtschaftssystem, die Folge waren mehr als 30 Millionen Hungertote zwischen 1800 und 1900.
Die Engländer haben ihre Kolonialmacht  erst 1947 aufgegeben.

Im 19. Jahrhundert verdienten die Engländer in China „ihr“ Geld mit Opiumhandel.

Frankreich

Frankreich war die zweitgrößte Kolonialmacht der Welt.
Die erste Landnahme erfolgte schon 1534 am St.-Lorenz-Strom, das heutige Kanada war „Neu-Frankreich“.
1673 begann Frankreich mit der Kolonialisierung indischer Gebiete.

1754 lebten auf  Haiti (ab 1697 französiche Kolonie)  14.ooo Weiße, 4.000 Mulatten und 172.000 Neger-Sklaven.
Nach der Kolonialzeit galt Haiti als eines der reichsten Länder der Karibik. Damit Frankreich die Unabhängigkeit anerkannte, forderte es von Haiti Zahlungen. Diese Zahlungen, die fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch andauerten, überstiegen die Leistungskraft Haitis bei weitem.
Heute ist Haiti das ärmste Land Lateinamerikas.

Spanien

Das Spanische Kolonialreich erstreckte sich über Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Auf dem Höhepunkt seiner Macht war das spanische Kolonialreich eines der größten Reiche in der Menschheitsgeschichte und zudem eines der ersten globalen Reiche.
Es überdauerte fast 5 Jahrhunderte (15. bis 20. Jahrhundert) und die Ausbeutung der besetzten Gebiete kostete Millionen von Menschen ihr Leben.

Allein in dem Silberberg Cerro Rico bei Potosí in Bolivien sollen 8 Millionen Menschen, fast alles Indios, zwischen 1545 und 1790 umgekommen sein.
Das sind 88 Menschen pro Tag, 250 Jahre lang.
1520 Beginn der Verschleppung von Negern als Sklaven nach Mittel- und Südamerika, weil die Indios sich nicht so gut versklaven liessen. (Auf den Rat von Las Casas)

Haiti war bis 1697 spanische Kolonie. Die Spanier rotteten die indigen Urbevölkerung fast vollständig aus.

Spanien verkaufte Florida 1819 an die USA.

Belgien

1815 wurde Belgien den Niederlanden zugesprochen (Wiener Kongreß).
Belgien wurde erst 1830 unabhängig.
Der Kongo wurde König Leopold II 1884/85 auf der Kongo-Konferenz als Privatbesitz zugesprochen.
Er lies das Land exzessiv ausbeuten. Es sollen mehr als 10 Millionen Menschen durch Zwangsarbeit umgekommen sein, fast die Hälfte der Bevölkerung in 23 Jahren.
Erst als dies international bekannt wurde, übergab König Leopold II unter Zwang den Kongo als Kolonie an den belgischen Staat.

Niederlande

Niederlande oder „niederen deutschen Lande“ („de nederen duitse landen”).  Durch den Westfälischen Frieden im Mai 1648, mit der Schweiz Trennung vom Deutschen Reich.

In Folge wurde es eine der größten See- und Wirtschaftsmächte des 17. Jahrhunderts. Gründung von Neu Amsterdam, dem heutigen New York, Kolonialreich Niederländisch-Indien (Indonesien bis 1949) und Suriname (bis 1975) in Südamerika.

In Niederländisch-Indien wurde mit Hilfe von afrikanischen Sklaven Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle und Kakao angebaut und exportiert. Am 1. Juli 1863 wurde die Sklaverei abgeschafft und ca. 35.000 Sklaven kamen frei.

Vereinigte Staaten von Amerika, USA

Formal wurden die USA erst 1783 von England unabhängig.

Am 4. Juli 1776 kamen die Vertreter der Kolonien zu einem Kontinentalkongresses zusammen und diskutierten die Unabhängigkeitserklärung.
Der Entwurf für die Unabhängigkeitserklärung stammt von Thomas Jefferson.
Er begründete die Rechtmäßigkeit der Loslösung mit dem Naturrecht:„all men are created equal“ , sowie Verstößen von König Georg III. gegen Amtspflichten.

Die formale Unabhängigkeit erfolgte nach einem Krieg erst 1783 durch den „Frieden von Paris“.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren rund 7 Millionen Neger nach Amerika versklavt worden.
Erst 1806/07 wurde der Sklavenhandel in England und USA als ungesetzlich erklärt.

Osmanisches Reich

Gründung 1299, die Osmanen verdrängten das Byzantinische Reich weitgehend aus Kleinasien.
Expansion nach Europa durch Überschreiten des Marmarameers, 1354 wurde mit Gallipoli die erste Stadt auf europäischem Boden erobert.
Das Königreich Ungarn war in Südosteuropa zum Hauptgegner geworden. 1440 wollten die Osmanen die Festung in Belgrad einnehmen, was nicht gelang.

Zu folgenden Staaten muss ich noch etwas recherchieren

Königreich Ungarn

Österreich

Russland

 

Episoden zum agressiven Verhalten

England
Am 28. August 1664 bedrohen plötzlich vier englische Kriegsschiffe die Hafenstadt Nieuw Amsterdam, den Verwaltungssitz der damaligen niederländischen Kolonie Nieuw Nederland auf der heutigen Insel Manhattan.
Der englische König Charles II. hat sie entsandt, um die holländischen Siedler zu unterwerfen.
Und denen bleibt angesichts der Übermacht von 96 Kanonen und 1.000 Soldaten nichts anderes übrig, als kampflos aufzugeben – so wird aus Nieuw Amsterdam New York.

Damit beginnt ein erbitterter Seekrieg Englands gegen die Niederlande. Es ist nicht der Erste und wird nicht der Letzte bleiben, denn die beiden europäischen Großmächte kämpfen jahrhundertelang verbissen um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren.

Zunächst gewinnen die Engländer mit ihren größeren Schiffen und mehr Feuerkraft die meisten der Seeschlachten auf der Nordsee und vor den Küsten der Kolonien.
Besonders brutal geht Admiral Robert Holmes vor, der von Charles II. den Befehl erhalten hat, „alles, was sich ihm in den Weg stellt, zu töten, zu erobern oder zu versenken“. Aber der niederländische Staatsmann Jan de Witt schickt Admiral Michiel de Ruyter zum Gegenschlag aus.
Es folgt mit der Viertageschlacht in der südlichen Nordsee vom Juni 1666 eine Seeschlacht, wie es sie bis dahin in der Weltgeschichte nicht gegeben hat, beteiligt sind insgesamt 142 Schiffe. Allein dieses Gefecht auf See kostet über 4.000 Seeleute das Leben, mindestens eben so viele werden verwundet.
Die Engländer müssen in dieser Schlacht eine schwere Niederlage hinnehmen.

Nach der Viertageschlacht auf der Nordsee im Juni 1666 eskaliert der Englisch-Niederländische Krieg. Die siegreichen Niederländer sehen sich nun als Herrscher der Weltmeere und greifen die britische Flotte immer wieder an. Doch ihre Schiffe sind kleiner und haben weniger Kanonen als die der Engländer. Und als der niederländische Staatsmann Jan de Witt neue Taktiken ausprobiert und dabei seine Flotte unvorsichtigerweise aufteilt, zieht er in mehreren Seeschlachten den Kürzeren. Am Ende des Sommers 1666 sind die Flotten beider Länder stark dezimiert. Zehntausende Seeleute haben ihr Leben gelassen, aber der Krieg geht mit unverminderter Härte weiter.
Der als besonders gnadenlos bekannte englische Admiral Robert Holmes greift die holländische Insel Terschelling an, zerstört 150 Handelsschiffe und verbrennt die Siedlung samt ihrer Einwohner.
Daraufhin wollen die Niederländer den Krieg nach England tragen, und es gelingt ihnen im Juni 1667 die größte Kriegsflotte der Royal Navy, die im englischen Fluss Medway ankert, zu zerstören.
Damit zwingen sie König Charles II. zu Friedensverhandlungen. Doch die Waffenruhe ist nur von kurzer Dauer.
England verbündet sich heimlich mit Frankreich, und im Jahr 1672 erklären neben diesen beiden Großmächten auch das Kurfürstentum Köln und das Fürstbistum Münster den Niederlanden den Krieg. Im wieder aufflammenden Seekrieg gelingt es dem holländischen Admiral Michiel de Ruyter mehrfach, die vereint angreifenden Flotten von England und Frankreich zurückzuschlagen.
Und sein Landsmann, der Freibeuter und Admiral Cornelis Evertsen, erobert sogar Manhattan von den Engländern zurück.

Mehr dazu auf arte „Machtkampf um die Weltmeere“, Dokumentation USA,GB,NL 2010